Freuds Werk online lesen

Sigmund Freud 2.0 – Freuds Werk Online lesen und diskutieren

Die Schriften Sigmund Freuds chronologisch von "vorne bis hinten" zu lesen, erscheint als ein kaum zu bewältigendes Unterfangen. Und doch übt es auf Viele einen besonderen Reiz aus, die Entwicklung seiner Theorien nachzuvollziehen - von den frühen Arbeiten im ausgehenden 19. Jahrhundert bis hin zu seinen Arbeiten in den späten 1930er Jahren.

Aber ein so umfangreiches Werk Online lesen?

Den Ausgangspunkt unserer Initiative, Freud gemeinsam in Form einer Online-Lesereise zu studieren, bildete ein Beitrag im Psychoanalyseforum. Dort hatten Mitglieder unserer Community den Wunsch, sich "an die Arbeit zu machen", und gemeinsam Freud zu lesen.

Doch in welchem Format kann das online gelingen - und Spaß machen?

Das Ergebnis dieser Idee können Sie als angemeldetes Mitglied des Psychoanalyseforums ab heute besuchen:

Sigmund Freuds Werk im Psychoanalyseforum

Sigmund Freuds Werk online lesen

Sigmund Freuds Werk online lesen - im Psychoanalyseforum

Wir haben eine Seite eingerichtet, in deren Mittelpunkt eine Zusammenstellung von Freuds Schriften in chronologischer Reihenfolge steht - digitalisiert und so aufbereitet, dass Sie Absatz für Absatz lesen und kommentieren, Fragen stellen, diskutieren und Querverweise ergänzen können - online und im Psychoanalyseforum.

Die Quelle der Originaltexte Freuds ist - nach Eintreten der Gemeinfreiheit von Sigmund Freuds Werk 2010 - die offene und allgemein zugängliche Quelltext-Plattform "Wikisource".

Unsere Seite befindet sich noch in einer Erprobung. So sind die Sprachdateien unserer Software noch nicht vollständig übersetzt, und ein paar Dinge sind noch zu tun, nachdem wir mit Hilfe von Christian Wach, dem Programmierer des "Institute for the Future of the Book" und Autor des Plugins "Commentpress Core" den Grundstein für dieses ambitionierte Unterfangen gelegt haben.

Aber wir hoffen, dass wir Ihnen mit dieser Start-Version schon eine arbeitfähige Seite zur Verfügung stellen können, die Ihnen und uns dabei hilft, Freuds Werk gemeinsam und online zu lesen und zu diskutieren.

Ein gewagtes Unternehmen...

Der Charakter dieses Versuchs, Freud "ans Arbeiten zu bringen" - um mit Jean Laplanche zu sprechen - ist experimentell. Die Seite wächst und entwickelt sich noch.

Nicht jeder mag am Bildschirm lesen. Doch zum Austausch über das Gelesene erschien es uns hilfreich, sich am Text zu orientieren, und sich abschnitts- und satzweise auf ihn zu beziehen.

Wer eine Studienausgabe von Sigmund Freuds Werk besitzt, oder die "Gesammelten Werke", liest vielleicht die Texte im Buch, und findet in der Online-Version die entsprechenden Buch-Kapitel mit Hilfe der Suchfunktion. Dort ist es dann möglich, eigene Anmerkungen anzufügen, Fragen zu einzelnen Abschnitten zu stellen, oder die Anmerkungen anderer Leser zu kommentieren.

Freud lesen - eine chronologische Lesereise durch sein Werk

Ein guter Begleiter für dieses Experiment ist ein Buch von Jean-Michel Quinodoz, erschienen auf Deutsch im Psychosozial-Verlag, der Freuds Texte in den Kontext seines Lebens und seiner Schaffensgeschichte stellt.

"Freud lesen - eine chronologische Lesereise durch sein Werk" (Link zur Buch-Seite des Psychosozial-Verlags) basiert auf einem Seminar, das Quinodoz mit einer Gruppe Studierender 1988 im Rahmen der Kandidaten-Ausbildung am "Centre de psychanalyse Raymond de Saussure" in Genf begann.

Freud im Kontext der Zeit zu lesen, in der er lebte, bedeutet einen besonderen Reiz. Vieles, das uns heute befremdlich vorkommt, macht in seinem zeithistorischen Zusammenhang plötzlich mehr Sinn. Dieser Zugang erleichtert das Arbeiten mit einem Text, der mal literarisch daher kommt wie eine Novelle, mal die Form einer Vorlesung oder eines Traktats annimmt, und dann wieder dem Anspruch einer wissenschaftlichen Studie folgt.

Ziel dieser Initiative ist es, Ihnen das Grundlagenwerk der Psychoanalyse zugänglich zu machen, das bis heute die Arbeiten zeitgenössischer Psychoanalytiker inspiriert, Gegenstand streitiger Diskussionen ist und ohne Zweifel einen Meilenstein der Psychologie - für welche Schulrichtung auch immer - darstellt.

Sie werden das Auftauchen von Begriffen nachvollziehen können, die längst Eingang gefunden haben in unsere Alltagssprache - wie "Verdrängung" oder "das Unbewusste".

Sie begegnen Eckpfeilern der psychoanalytischen Krankheitslehre, dem Ödipus-Komplex und der psychoanalytischen Meta-Psychologie, unternehmen einen Streifzug durch die psychoanalytische Sexualtheorie, durch zeitgeschichtliche Stellungnahmen zu Krieg und Massenpsychologie, und beobachten den Gründervater der Psychoanalyse bei der Entwicklung seiner Gedanken anhand unzähliger Fallbeschreibungen, philosophischer Ausflüge und autobiografischer Bezüge.

Sigmund Freud 2.0 - ein digitales Lese-Experiment

Den Anfang dieser Reise durch Freuds Schriften markieren seine frühen Schriften von 1893 bis zur Jahrhundertwende. Nicht alles steht schon zum Lesen und Diskutieren bereit. Wir werden das Werk Sigmund Freuds in den kommenden Monaten - ohne Anspruch auf bibliografische Unfehlbarkeit - veröffentlichen, und sind gespannt auf Ihre Erfahrungen mit seinen Texten und deren Diskussion in den Kommentaren.

Wo immer es uns möglich ist und notwendig erscheint, werden wir ergänzende Beiträge veröffentlichen, die entweder einen Gegenstand der gemeinsamen Diskussion aufgreifen und vertiefen werden, oder Zusatzinformationen zur Verfügung stellen, die unserer Lektüre bereichern sollen. Mitunter könne Sie unter dem entsprechenden Menü-Eintrag auch Hinweise finden auf mögliche Fehler in unserer Arbeit, Fallstricke, die unsere Software uns legt, oder Erfahrungsberichte aus unserer gemeinsamen Lesereise - als Reflektionen eines unmöglichen(?) Unterfangens.

Die Möglichkeiten des digitalen Mediums, dessen wir uns bedienen, werden dabei ebenso Ihrer Kritik unterliegen, wie unser Unterfangen überhaupt. Wir freuen uns auf Ihre kritischen Anmerkungen und Erfahrungsberichte. Bitte betrachten Sie dieses Unternehmen als Ausdruck unserer Freude daran, "Freud ans Arbeiten zu bringen".

Hier noch einmal die Möglichkeit, sich gegebenenfalls das Buch von Jean-Michel Quinodoz neu zu bestellen (Link zum Buch im Psychosozial-Verlag).

Wir sind gespannt auf Ihre Eindrücke und Rückmeldungen, und würden uns freuen, wenn Sie uns nach einem Besuch unserer neuen Seite im Psychoanalyseforum Ihre Eindrücke mitteilen würden. Am meisten freuen wir uns natürlich darüber, wenn aus unserer Initiative ein aktiver, anregender Austausch entsteht.

Und hier geht's zu "Freuds Werken 2.0".

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2 Gedanken an “Sigmund Freud 2.0 – Freuds Werk Online lesen und diskutieren

  1. Anonymous

    Das Ergebnis des Unternehmens kann ich voraussagen. Es wird sich zeigen, daß die Behauptung, die Psa heute sei von ihren Vertretern seit Freud „weiterentwickelt“ worden nicht stimmt. Sie vertritt das Gegenteil von dem, worauf Freuds Konzeption der Psa beruht. Freuds Textes zeigen das unmißverständlich. Das wäre dann eine Korrektur, die längst überfällig ist, sie kommt 130 Jahre zu spät. Ein Tipp: man wird sich ins Wissenschaftsphilosophische begeben müssen. Kerz

    1. Sönke Behnsen Post Author

      Lieber Herr Kerz,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Mich würde interessieren, in welcher Hinsicht die zeitgenössische Psychoanalyse das Gegenteil von dem vertritt, worauf Freuds Konzeption beruht. Dabei scheint mir hilfreich, genauer zu bestimmen, welche „Psychoanalyse“ Sie dabei im Sinn haben. Freud hat sich selbst – soweit ich das aus meiner eigenen Erfahrung beurteilen kann – so offen für Veränderungen gezeigt, und immer wieder die Vorläufigkeit seiner Überlegungen hervorgehoben, dass es mir meistens sehr schwerfällt, eine pauschale Aussage darüber zu treffen, was die Psychoanalyse in diesem Sinne ist. Es wäre eine spannende Diskussion…
      In jedem Fall ist die Lektüre Freuds in der Chronologie seines Werks ausserordentlich Gewinn bringend, zumal, wenn es gelingt, seine Gedanken vor dem Hintergrund seiner biografischen Entwicklung und der Zeit zu lesen, in der er schrieb.
      Mit freundlichem Gruß,
      Sönke Behnsen

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